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Der Schachblog von Ilja Schneider
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Einer fehlte noch
Wenn man als Mannschaftsführer Sonntagmorgen um 8:34 Uhr eine sms bekommt, dass ein Spieler erkrankt ist (Gute Besserung an dieser Stelle!), dann kann man nicht mehr viel machen, mit einer halbstündigen Karenzzeit ohnehin nicht. So traten wir also gegen Treptow mit sieben Männern an. Ob das der zusätzliche Motivationsschub war, der zu einer mir ganz neuen Erfahrung führe? Ich kann mich nicht erinnern, einen Mannschaftskampf schon einmal mit 100% (der gespielten Partien) gewonnen zu haben. Und so unverdient schien mir das gar nicht.Die Einzelergebnisse:
Treptower SV 1949 - SF Berlin 1903 4 1,0 : 7,0
Tobias Münch - Martin Kunze 0 : 1
Thomas Mahling - Razvan Sebe 0 : 1
Rico Steffen - Alexander Bandow 0 : 1
Robert Münch - Marcus Delacor 0 : 1
Marco Kühne - Wolfram Burckhardt 0 : 1
Stefan Krüger - Dr. Karl Georg Haeusler + : -
Martin Minski - Felix Zesch 0 : 1
Maria Hinzmann - Mark Müller 0 : 1
Martin Kunze kam als Weißer zu seinem ersten Saisonsieg in einem sauber herausgespielten technischen Turmendspiel. Lange Zeit war hier nur die Frage, ob er seinen Mehrbauern, der freilich eine Doppelbauer war, würde verwerten können oder nicht. Das gelang ihm aber mit erstaunlicher Leichtigkeit - zumindest sah es von der Außenperspektive so aus.
Bei Razvan Sebe gab es mal wieder einen Drachen. Da muss man sich wenig Sorgen machen, habe ich diese Saison gelernt. Er macht seine Gegner einfach fertig, egal ob Weiß lang rochiert (wie etwa Kiesekamp) oder kurz, wie in diesem Fall. Razvan übte Druck auf dem Damenflügel aus, gewann einen Bauern und sah sich wie Martin nur vor technische Probleme gestellt, nachdem er der kurzen weißen Initiative Herr werden konnte. Wieder gab es ein Turmendspiel; während bei Martin sein Gegner aber eher zu lange spielte, gab Razvans Gegner extrem früh auf. Ich hätte mir zumindest noch ein paar Züge zeigen lassen, mit welcher Auffassung ich nicht alleine war. Aber objektiv verloren war die Stellung wohl doch.
Um Alexander Bandows Partie machte ich mir während des Kampfes am meisten Sorgen, aber ehrlich gesagt auch, weil ich seinen Gegner verwechselte und für den stärksten Spieler der Mannschaft hielt. Alexander baute sich mit dem Maroczysystem auf, aber die weißen Bauern schienen eher schwach zu sein als den gegnerischen Manövrierraum effektiv zu beschränken. Aber wahrscheinlich täuscht mich dieser Eindruck; jedenfalls wurde die Partie zu einer äußerst reichen Fundgrube für Taktiklehrbücher mit Motiven wie Doppelschach, Abzugsschach, Sperrung, Doppelangriff, Opfern jeglicher Art, Fesselung und jede Menge mehr. Dabei war es Alexander, bei dem dauernd gefühlt alles hing, der aber den gegnerischen König unter Druck setzte und so am Ende entscheidendes Material gewann.
Der Gegner von Marcus Delacor misshandelte den elementarsten aller Eröffnungsgrundsätze sträflich, er vernachlässigte nämlich seine Entwicklung und nutzte die gewonnene Zeit hauptsächlich dazu, alle Bauern auf weiße Felder zu setzen. Das gab Marcus, dem Drachen abtrünnig geworden - oder überließ er ihn nur großzügig seinem neuen Meister Razvan? - und Philidor spielend, also eher auf die schwarzen Felder setzend, die Gelegenheit, nachdem er die übliche kurze weiße Initiatieve abgeschüttelt hatte, zu einem Damenschach auf a5. Der König musste nach d1 und wurde stilgerecht in der Mitte von dem Duo Dame und Läufer erlegt.
An Brett 5 durfte Wolfram Burckhardt gegen den stärksten Spieler mit Weiß gegen Benoni kämpfen. Er macht das äußerst gerne und gut. Wichtig ist es, behutsam vorzugehen und schwarzes Gegenspiel zu ersticken; dann sollte sich der weiße Raumvorteil langfristig durchsetzen. Wolfram tat genau das mit kreativen Zügen wie Sh4 (verhindert aufgrund der Schwäche des Bauerns g6 schwarzes f7-f5) und Ta3 (ist dort gedeckt, sichert die weiße Stellung und droht auf die e-Linie zu schwenken). Eben dieser Turm ermöglichte dann auch aufgrund des vis-a-vis mit der schwarzen Dame und Fesselungsmotiven einen entscheidenden Springereinschlag auf d6, wonach Schwarz aufgrund Materialverlustes sofort aufgab.
Felix Zesch sah sich als Weißer dem ihm, zumindest seinen Zeitverbrauch nach zu urteilen, nicht en detail vertrauten lettischen Gambit (1. e4 e5 2. Sf3 f5) ausgesetzt. Er verbrauchte zwar viel Zeit, fand aber einen plausiblen Aufbau mit spielbarer Stellung - da ist man ja schon oft froh drüber, wenn man sich mit so einer Eröffnung konfrontiert sieht. Aber auch hier rochierte der schwarze König nicht bzw. zu spät und mittels einer eleganten Springergabel gewann Felix Figur und Partie.
Ich selbst hatte mit Schwarz schon wieder mit der Abtauschvariante in Caro-Kann zu kämpfen (Leute! Guckt euch mal ein bisschen Theorie an! Oder spielt wenigstens 1. d4). Leicht, zu leicht glich ich aus, unterschätzte mal wieder die weißen Chancen und musste, um nicht in einem Königsangriff überrollt zu werden, meinen schwarzfeldrigen Läufer geben, wonach man nicht gerade sagen kann, dass ich auf den dunklen Feldern keine Probleme gehabt hätte. Ich sah mich ziemlichen Druck gegen meinen König ausgesetzt, den ich zur Sicherung „manuell" auf den Damenflügel führte. Im Gegenzug konnte ich aber mit einem schönen, unvertreibbaren Springer auf f5 wuchern. Weiß entschloss sich richtigerweise, für den eine Qualität zu geben, wickelte dann aber falsch ab und wurde selbst mattgesetzt.
Kommende Runde geht es am 21.02 auswärts gegen Hermsdorf. Hier wollen wir um den 3. Platz kämpfen! Vorher gibt es aber noch die Bundesliga im Rathaus Schöneberg - vielleicht gibt es ja auch hier wieder ein 7:1 wie am letzten Bundesligawochenende gegen Katernberg? Einen Vorbericht von MF GM Rainer Polzin inkl. der Ankündigung eines tollen Tippspiels findet sich hier: http://sfr-berlin.de/index.php?menuid=16&reporeid=235
Autor: mm -- 8.4.2010 1:59:33
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