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Keine Stiche für SFB 4 gegen SF Nord-Ost
Gegen die erste Mannschaft der Schachfreunde Nord-Ost haben wir zwar wieder einmal nicht alle Chancen genutzt, aber letztlich haben sich die Nord-Ostler als überlegen erwiesen.Die Einzelergebnisse:
SF Nord-Ost Berlin - SF Berlin 4 5,5 : 2,5
Klaus Welke - Razvan-Alexandru Sebe-Vodislav ½ : ½
Gregor Salzberg - Kai-Stephan Kussatz ½ : ½
Jens-Uwe Jaeschke - Wolfram Burckhardt ½ : ½
Stefan Knappe - Felix Zesch 1 : 0
Wolfgang Süß - Udo Lechtermann 1 : 0
Ralf Seils - Thorben Lindhauer 1 : 0
Steffen Axmann - Mark Müller 0 : 1
Anatol Treskow - Peter Baranowsky 1 : 0

Der schöne neue Spielsaal der Schachfreunde Nord-Ost
Die Partien an den beiden hinteren Brettern wiesen einige Ähnlichkeiten auf: beide Male kam Pirc bzw. Moderne Verteidigung aufs Brett, und beide Male machten die Weißen mit den Schwarzen im Königsangriff kurzen Prozess. Mein junger Gegner rochierte sehr früh kurz und mitten in meinen Angriff hinein. Wenn der Weiße sich mit frühem Le3, Dd2 und langer Rochade aufbaut, muss man mit Schwarz wohl eher die Entwicklung des Königsflügels zurückstellen und Action auf den Damenflügel machen. Schwarz versäumte dies und litt zudem unter einer unangenehmen Fesselung auf der d-Linie, die die Entwicklung seiner linken Bretthälfte so zeitaufwendig machte, dass er schließlich gar nicht mehr dazu kam. Nach 16 Zügen und zwei Stunden war die Partie beendet.

Peter Baranowsky gab in seinem zweiten Einsatz für die Schachfreunde seine Premiere in der 4. Mannschaft. Seine Partie dauerte zeitlich fast doppelt so lange, war mit 23 Zügen aber gar nicht so viel länger. Während er als Schwarzer die Moderne Verteidigung zunächst sehr gut behandelte, muss ihn irgendwie sein Sinn für Gefahren verlassen haben: aus guten Gründen muss Schwarz sich sehr genau überlegen, ob und wann er Sf6 spielt, wenn Weiß darauf e4-e5 antworten kann. Mit Sf6, dem Öffnen der f-Linie und dem Hineinrochieren in den aufziehenden weißen Königsangriff traf er unmittelbar hintereinander drei nicht optimale Entscheidungen, die seine Stellung nicht verkrafteten: Weiß führte seinen Angriff planmäßig durch und setzte Matt. Die Partie macht die Gefahren der Modernen Verteidigung deutlich: nach einer schönen Partieanlage kann schon eine Ungenauigkeit schnell zum Verlust führen.

Auch Thorben Lindhauer hatte einen schweren Stand mit Schwarz an Brett 6. Zwar kam er gut aus der sehr zurückhaltend vorgetragenen englischen Eröffnung seines Gegners raus, versuchte dann aber vor der Entwicklung seines Damenflügels selbst am Königsflügel aktiv zu werden. Weiß konnte aber die aggressiven schwarzen Figuren zurückwerfen, wonach Thorbens König recht verlassen dastand. Dies nutzte der Weiße zu einer kleinen Kombination, basierend auf aus der Schwäche der Diagonale a1-h8 resultierenden Mattdrohungen, wonach er mit einem Mehrbauern verblieb. Zwar hätte er noch stärker abwickeln und die Qualität gewinnen können, aber auch so reichte der kontinuierliche Druck gegen Thorbens König, um ihn vor beständig schwierige Verteidigungsaufgaben zu stellen und dadurch in Zeitnot zu bringen, in der er dann den entscheidenden Fehler beging. Auch ihn verließ also ausgangs der guten Eröffnung sein Sinn für Gefahren.

Udo Lechtermann musste ausnahmsweise mit Weiß ran, was ihm nur die zweitliebste Möglichkeit ist. Sein Gegner versuchte auf g3, sich Königsindisch aufzubauen, was Udo aber mit seinem Spezialaufbau und frühem e4 verhinderte, sodass es auch hier Pirc zu sehen gab - und somit immerhin in drei von fünf Partien dieses Kampfes, interessanterweise an den letzten vier Brettern. Dummerweise war Udo der einzige, der die weißen Steine nicht zum Sieg führte. Sein mit einer DWZ von 2035 sehr starker Gegner wählte aber den auch seiner Meinung nach stärksten Aufbau mit Sc6 und e5, wogegen Udo kein rechtes Konzept fand und sich in die Verteidigung gedrängt sah. Vielleicht hätte er in dieser Art geschlossener Sizilianer selbst f4-f5 spielen sollen. So aber kam Schwarz dazu und kämpfte dieses Feld nach dem Abtausch gegen den Bauern e4 für seine Figuren frei. Irgendwie flog das ganze Zentrum auseinander und in schon hochgradiger Zeitnot entschloss sich Udo, eine Figur für ein paar Bauern zu geben, statt sich auf eine schwierige Verteidigung einzulassen. Die Aktivität der schwarzen Figuren aber so groß, dass auch so kein langer Widerstand mehr möglich war.

Wolfram Burckhardt spielte eine ruhige Damenbauerneröffnung, in der er seinen schwarzfeldrigen Läufer fianchettierte. Nach einer kurzen Manövrierphase entschied er sich für eine forcierte Kombination, in deren Folge ein Endspiel entstand, bei dem die Frage war, ob der schwarze Freibauer auf c2 schwach oder stark ist. Wolfram entschied sich, ihn sofort zu verhaften, wobei Schwarz an einer Stelle eine allerdings nicht sehr naheliegende Fortsetzung hätte wählen können, bei der er eine Figur gegen zwei verbundene Freibauern am Damenflügel gewonnen hätte. Die Stellung wäre dann unklar gewesen, wobei die optischen Vorteile wohl eher beim Schwarzen gelegen hätten. Stattdessen entstand ein Endspiel, in dem Wolfram zwar einen Freibauern am Damenflügel, sein Gegner aber ein starkes Läuferpaar hatte. Kurz vor der Zeitkontrolle einigte man sich in einer fast toten Stellung dann auf Remis - auch hier ein schöner Erfolg gegen einen Gegner mit 2105.

Razvan Sebe spielte mit Weiß eine sehr schöne Partie. Der Schwarze wählte einen nicht sehr überzeugenden Aufbau gegen eine Art Maroczy-System. Ursprünglich wollte er seinen schwarzfeldrigen Läufer fianchettieren, musste dann aber feststellen, dass das aufgrund der Schwäche des Bauern d6 unmöglich ist. Er entschied sich dann seltsamerweise, ihn doch abzutauschen gegen den gegnerischen Läufer, wonach seine dunklen Felder aber unheilbar geschwächt waren. Folgerichtig gewann dann Razvan die Bauern f6 und d6 und musste im Gegenzug nur seinen auf c4 abgeben. Als er auch noch mit einem Turm auf der 7. Reihe eindrang, entschloss sich Schwarz trotz des materiellen Nachteils, Damentausch anzubieten. Razvan wäre dem wohl besser ausgewichen, um dem Druck auf die geschwächte schwarze Königsstellung aufrechtzuerhalten.

Der Computer empfiehlt hier Sc5
Aber auch nach dem Tausch war er immer im Vorteil. Die Lage wurde allerdings kompliziert, als er zwei Figuren für einen Turm gewann, das schwarze Turmpaar aber große Aktivität entfaltete, während die beiden weißen Springer nicht so recht harmonierten. Das schlug sich auch im Zeitverbrauch wieder und so entschloss sich Razvan enttäuscht, mit noch sehr wenig Zeit auf der Uhr Dauerschach zu geben.

Es ist immer wieder faszinierend, wie bei Kai Stephan Kussatz schnellstmöglich unglaublich viele Figuren vom Brett fliegen. Nach noch nicht einmal 20 Zügen blieb in der Abtauschvariante des Damengambits noch ein Doppelturm- und ein Läuferpaar übrig. Es begann eine Phase des Manövrierens, in der ich zunächst Kai Stephan, dann seinen Gegner leicht im Vorteil sah, ohne dass aber jemals etwas los gewesen wäre. Immerhin muss man mit Schwarz gegen einen 2145 starken Gegner erst einmal so souverän Remis halten.

Felix Zesch habe ich in der ursprünglichen Version dieses Artikels übel mitgespielt. Sie ging so: Er spielte die längste Partie des Tages. Sein knapp über 2000 starker Gegner wählte die Vorstoßvariante im Franzosen, die Felix aber bald zum Ausgleich führen konnte. Es entstand eine höchst asymmetrische Stellung, in der Felix nur rochieren konnte, indem er seinen Springer h6 zum Tausch gegen den Läufer c1 anbot und sich so einen Doppelbauern und eine zerstörte Königsstellung einhandelte. Dafür gelang es ihm jedoch, auf der nunmehr halboffenen g-Linie in Verbund mit dem Vorstoß des h-Bauern gegen die Schwäche g3 Druck zu entfalten. Um zu verhindern, dass der Druck nach h5-h4 zu übermächtig wird, entschloss sich Weiß, den Bauern h5 zu schlagen und auf den überraschenden Zug Lc5 mit ihr nach d1 zurückzukehren. So entstand folgende Stellung, in der Felix eine Figur hätte gewinnen können:

Der natürliche Zug wäre hier Td4: gewesen, aber auch die von Felix gewählte Fortsetzung Ld4: gewinnt. Aber nicht nach anschließend Tc2:, sondern Td4: und durch das drohende Abzugsschach gewinnt Schwarz den Springer b1. Aber auch mir als Kiebitz war diese Möglichkeit entgangen, obwohl ich in dieser interessanten Stellung (nach Lc5) längere Zeit auf die Stellung sah.
Das ist alles vollkommener Unsinn; die Wahrheit lautet:

Zu meiner Rechtfertigung: ich habe eine Stelle in Felix' Partieformular als T c 4 statt T g 4 aufgelöst, was mir ob der damit verbundenen Rufschädigung sehr peinlich ist. Mit dem Turm auf c8 ist hier natürlich keine Kombination drin und Felix hat nichts übersehen - entschuldige bitte, lieber Felix!
Der Rest ist dann wieder gültig: Das entstehende Endspiel nach dem Damentausch ist laut Computer ausgeglichen, aber ich hätte lieber Weiß. Nach und nach geriet Felix in eine immer schlechtere Stellung, die er dann schließlich verlor.
Die Schachfreunde Nord-Ost erwiesen sich wie auch bei unserer letzten Begegnung vor zwei Jahren als zu stark, auch wenn das Ergebnis vielleicht etwas zu hoch war. Vorne hielten wir erstaunlich gut dagegen, während meine Prognose, dass wir wohl hinten punkten müssen, sich als zu optimistisch erwies. Kommende Runde empfangen wir die auch starken Männer von Chemie Weißensee. Wir wollen trotzdem versuchen, unseren ersten Saisonsieg einzufahren.
Autor: mm -- 8.4.2010 1:56:13
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