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Der Schachblog von Ilja Schneider
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Es geht wieder los!
von Ilja SchneiderDie Paarung der vorgezogenen siebten Runde, Hamburger SK SF Berlin, die für uns gleichzeitig das Ende einer anderthalbjährigen Bundesligaabstinenz bedeutete, passte hervorragend zum Tag der Deutschen Einheit, an dem sie stattfand. Nicht weniger als 12 Deutsche saßen an den Brettern! Wegen (oder trotz) des Feiertags und des miserablen Wetters blieben die Spieler allerdings bis zum Ende in der deutlichen Überzahl. Zuschauer? Nicht in Sicht. Die neue Liveübertragung im Internet soll allerdings gut besucht worden sein. Vor echten, nicht mit Rybka und Co. ausgestatteten Zuschauern zu spielen macht allerdings nicht nur mir bei Weitem mehr Spaß.
Zu Beginn des Kampfes war zur großen Freude nichts von einem Klassenunterschied zwischen den Teams zu bemerken. Unser französischer Kollege Igor Nataf hatte am Spitzenbrett Gustafsson sicher im Griff, Rainer und Dennes versuchten (für den letzteren etwas untypisch), den Gegner einfach mit der rohen Bauernmasse zu überrollen, und die Tatsache, dass mein Gegner Karsten Müller und ich nun gerade die spansiche Eröffnung übten, lässt sich etwa mit der Situation vergleichen, wie ein Fußballmatch Brasilien gegen Andorra... mit kniehoch Wasser auf dem gesamten Platz! Da kann alles passieren und jeder gewinnen. Die Schwarzbretter standen alle etwas gedrückt, aber durchweg solide und die Stellungen von Normunds Miezis und Evgeny Degtiarev schienen mir sogar vorzuziehen. Keine schlechte Ausgangsposition.
Als erstes ging dann tatsächlich Andorra-Brasilien friedlich zu Ende. Langsam lief dann aber die Geschichte aus dem Ruder. Evgeny konnte mit seiner Kompensation für den Minusbauern leider nichts Konkretes reißen und fand sich im schlechten Endspiel wieder, was er nach langem Kampf verlor. Normunds übersah ein elegantes Damenopfer von David Baramidze, was zu Turm-und Partieverlust für die Schachfreunde führte.
Die Bundesligapremiere von Dennes endete bald Remis - auf das Ergebnis gibt es aber schon seit Jahren keine hohen Quoten mehr. Die kleinen Schwierigkeiten mit ungleichfarbigen Läufern meisterte unser "„Schachpolitiker" - er spielt seine Stellungen nicht, sondern verwaltet sie! - souverän und kam nie in die Nähe der Niederlage.
Wo das Unvermögen uns kein Schnippchen schlagen sollte, tat es die Technik. Am Brett hatte Nataf mittlerweile einen großen Stellungs- und Zeitvorteil rausgespielt und Gustis König rannte seit einer Weile wie ein Moorhuhn übers Brett. Doch als dem Schwarzen nur noch drei Minuten verblieben waren, stelle er fest, dass auf der Uhr kein Inkrement eingestellt war. Gesagt-getan, dachte sich der Schiedsrichter, der sonst einen sehr kompetenten Eindruck hinterlassen hat ausdrückliches Lob! - und addierte beiden Spielern neben dem Inkrement einen pauschalen Zeitbetrag hinzu. Durch die dadurch bedingte Verzögerung (gar nicht leicht, so eine Uhr zu stellen - kenn' ich!) erwuchs Gustafsson dann ein ausreichendes Zeitpolster, um unter Natafs freundlicher Mithilfe noch den Remishafen zu erreichen.
Gepaart mit der Tatsache, dass Rainers Angriff nicht durch-, Rainer selbst hingegen im Endspiel eingebrochen war und dass Arnd Lauber (gegen HSK-Urgestein Lubomir Ftacnik) und Marco Thinius im Duell mit dem JOM-Spieler Niklas Huschenbeth jeweils ein Remis erzielten, lautete das Endergebnis 2,5:5,5 aus Hauptstadtsicht. Schade, dass nicht mal eine Partie gewonnen werden konnte.
Gewohnt haben wir im Hotel Friesenhof in Norderstedt. Da war dar Mannschaft auch letztes Jahr in der Zweiten Liga beim Wochenende HSKII / Norderstedt untergebracht. Ob das so eine tolle Idee war, wieder dahin zu fahren? In die Geschichte ist obengenanntes Wochenende eher nicht wegen einer übermäßig hohen erzielten Punktzahl der SF Berlin eingegangen...
Unverändert ging das Team am Samstag an die nächste Aufgabe gegen den FC Bayern München. In diesem Kampf hat dann allerdings auch das meiste geklappt, was man sich vergenommen hatte. Allein zu bemängeln wäre die Chancenverwertung. Zu den Siegen von Normunds mit seinem Lieblingssystem (c4,e4,f4) siehe auch sein Massaker an Andrei Sokolov aus 2006 -, Arnd Lauber und dem Schreiber dieser Zeilen hätte sich im Prinzip außer Igor, der vom erfahrenen Michael Bezold neutralisiert wurde, das gesamte restliche Team dazugesellen dürfen. Rainer versäumte gegen Jungstar Julian Jorczik so etwas ähnliches wie Matt in 5, Dennes zeigte im Tablebase-geprüft-gewonnenem Turmendspiel vor den Augen extra angereister Fans aus Hannover technische Schwächen und musste am Ende Remis quittieren.
Noch schlimmer erging es Marco Thinius und Evgeny Degtiarev: Die beiden vergaben teilweise genauso große Vorteile sogar noch zu Niederlagen, wobei Marco erfahren musste, dass auch die neue Bedenkzeitregelung nicht zu 100% vor Zeitnot schützen kann. Das ist aber eh ein genereller Eindruck, den ich aus den ersten Runden mitgenommen habe: Man denkt länger nach, als üblich, weil das Inkrement einem (zum Teil) falsche Sicherheit gibt: "Man hat die Zeit ja!" Am Ende landet man eh wieder in der Zeitnot und die Qualität der Züge nimmt ab.
Unter dem Strich ein wirklich niemals gefährdeter 4,5:3,5 -Sieg. Klingt komisch, ist aber wahr.
Selbst ein opulentes Abendessen bei "Einstein" - der Norderstedter Szenetreff; selten so ein überfülltes Lokal gesehen! - und der Einflug unserer Geheimwaffe Henrik Rudolf (Rainers Anruf erreichte ihn an der Autobahn bei Berlin, wohin er bereits zum Spiel der zweiten Mannschaft unterwegs war) konnte allerdings am Folgetag die Klatsche gegen die recht gut angetretenen Tegernseer verhindern. Mit heiler Haut kamen recht schmerzfrei Dennes und ich, nach langer Qual und vielen ausgelassenen gegnerischen Gewinnchancen Marco und Arnd davon. Igor verlor gegen Volokitin ein gleichstehendes Endpsiel. Normunds verlor eine Kampfpartie gegen Nationalspieler Khenkin und Rainer überzog absolut unnötig gegen Andrei Sokolov. Rudi zeigte sich leider nicht gut vorbereitet gegen Nichtprofi Hertnecks 3...Sc6 im Franzosen, und das obwohl er mit einem selbsternannten Experten ;-) dieser Variante das Zimmer geteilt hat. Den schnellen Nachteil konnte er dann zwar fast komplett wieder ausgleichen, aber wie es oft nun mal ist - man läuft die ganze Zeit der Partie hinterher, macht noch einen Fehler und verliert dann noch. Schade! Solides 2:6
Aber es gibt noch keinerlei Gründe aufzustecken. Die Leistung war in vielerlei Hinsicht in Ordnung und zwei wertvolle Punkte sind bereits im Sack. Die Vorfreude auf das nächste Spielwochenende im schönen Willy-Brandt-Saal im Rathaus Schöneberg am 25/26.10.08, wenn es gegen Lokalrivalen SC Kreuzberg und Aufsteiger USV TU Dresden geht, ist bereits groß.
Da wird es auch definitiv mehr Zuschauer und sogar für die SF Berlin gewonnene Partien geben - versprochen!
Die Partien auf Schachbundesliga.de.
Autor: ny -- 20.2.2009 5:33:36
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