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Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt

Um das Saisonziel, nämlich den Klassenerhalt, nicht in unrealistische Ferne rücken zu lassen, war ein Sieg gegen die nominell schwächste Mannschaft SF Friedrichshagen unbedingt erforderlich. Umso wichtiger war es, dass wir vollzählig antreten konnten und auch nicht auf Ersatzspieler zurückgreifen mussten. Vor der Runde gingen die Überlegungen des Mannschaftsführers aufgrund des "Nord-Süd-Gefälles" (Schnitt der ersten 4 Bretter ca. 2025, der letzten 4 ca. 1820) der gegnerischen Mannschaft in die Richtung, an den hinteren vier Brettern 3 Punkte zu erzielen und an den ersten 4 dann die nötigen restlichen Punkte. So ähnlich kam es dann auch, allerdings noch deutlicher als gedacht.


Die Einzelergebnisse:

Andersen - Frank 1 : 0

Kussatz - Frübing 0 : 1

Häusler - Graubaum 0 : 1

Delacor - Schult 0 : 1

Krichi - Baatz 1 : 0

Runge - Fieguth 1 : 0

Müller - Völker 1 : 0

Lechtermann - Langner ½ : ½


Als erstes endete ausnahmsweise einmal die Partie des Berichterstatters. An Brett 7 spielten mein Gegner und ich eine scharfe Theorievariante im Halbslawen, in der meine Theoriekenntnisse nur äußerst unzureichend waren. Glücklicherweise endeten die meines Gegners zum gleichen Zeitpunkt, was bei ihm jedoch dazu führte, nicht die beste Fortsetzung zu finden und schon schnell in eine schwierige Position zu geraten. Dann allerdings verbrauchte ich bei der Suche nach der besten Fortsetzung für den 12. Zug knapp 30 Minuten und gleich anschließend für den 14. Zug fast 50. Zum Glück griff mein Gegner, dem es nie gelang zu rochieren, in allerdings schon sehr schwieriger Position fehl und gab mir die Gelegenheit zu einem Figurenopfer für zwei Bauern. Zwar erlitt ich dann aufgrund seiner Antwort eine kleine Herzattacke, da ich diese komplett übersehen hatte. Allerdings hatte ich darauf einen unmittelbaren Gewinnzug und so war die Partie nach 19 Zügen beendet.



Anschließend sorgte Abdelkerim mit seinem ersten Saisonsieg für den zweiten vollen Zähler. Die von seinem Gegner gewählte Aljechin-Eröffnung und der damit verbundene Aufzug des weißen c-Bauerns hielten ihn selbstverständlich nicht davon ab, lang zu rochieren und das übliche Chaos auf dem Brett zu kreieren. Die Stellung wirkte auf mich stets angenehmer für Weiß zu spielen, vielleicht liegt das aber auch, dass ich solche Stellungen mit beiderseitigen "Alles-oder-Nichts-Angriffen" ebenfalls schätze. Wahrscheinlich war die Partie aber längere Zeit im Gleichgewicht. Sah es zunächst so aus, als wäre Schwarz schneller mit seinem Angriff, übernahm bald Abdelkerim die Initiative und Schwarz musste sich am Königsflügel verteidigen, ohne seinen Angriff weiter verfolgen zu können. Überraschend schnell brach er dabei zusammen und gab auf, als Abdelkerim alle Linien öffnete und Material gewonnen hätte.



Felix Runge hatte wieder einmal mit der Skandinavischen Eröffnung zu kämpfen. Nachdem er dieses Mal gut aus der Eröffnung kam, verschärfte auch er mit heterogenen Rochaden das Spiel. Eigene Bauern verstopften hier ebenfalls nur offene Linien und mussten daher reihenweise geopfert werden. Sein Gegner gab in einer unklaren Mittelspielstellung mit aktiverer Stellung für Schwarz noch die Qualität und eine ebenso komplexe wie dynamische Stellung entstand. Interessanterweise hätte er hier mit einem weiteren Bauernraub auf seinem Königsflügel zwei verbundene Freibauern schaffen und Felix noch erhebliche Probleme stellen können. Allerdings öffnet man in einer Stellung mit entgegengesetzten Rochaden nicht leicht eine zusätzliche Linie für den Gegner und so wählte er eine andere, unklare Fortsetzung. Kurz darauf griff er mit seinem Läufer einen Turm von Felix an, der aber geschlagen werden konnte, wonach Felix, der zuvor schon eine Qualität mehr hatte, beide Läufer für den Turm gewinnen konnte und mit einer glatten Mehrfigur verblieb. Das abschließende Übersehen, mit dem sein Gegner auch noch einen Turm mit Schach einstellte, änderte auch nichts mehr an den Ausgang der Partie, sondern kürzte sie lediglich ab. Felix konnte damit seinen Score auf +1 gegen einen Gegnerschnitt von 1945 steigern.



Dieses 3:0 wurde noch dadurch versüßt, dass Udo Lechtermann an Brett 8 mit den schwarzen Steinen schon mit seiner geliebten Pirc-Eröffnung einen Bauern für nichts gewann und die Frage nur noch war, ob er ihn technisch verwerten könnte. Dabei stellte er sich zunächst sehr geschickt an und war seinem Gegner auch in dieser Partiephase deutlich überlegen. Die Verwertung allerdings war nicht einfach, und er musste zu einigen kleineren taktischen Tricks greifen, um die Blockadestellung seines Gegners zu überwinden. Zwar gelang ihm das zunächst, doch verbrauchten beide Spieler enorm viel Zeit und schon bald ergab sich ein hektisches Zeitnotduell, in dem zuerst Udo einen Qualitätsgewinn übersah und dann sein Gegner den Rückgewinn des Bauerns. Dafür reklamierte dieser den Blättchenfall von Udo und war davon auch nicht durch die übereinstimmende entgegengesetzte Auffassung aller Anwesenden abzubringen, die Udos Notation mit ihren 41 Zügen mehr Glauben schenkten als seiner mit lediglich 39. Der nach der Rekonstruktion und Bestätigung der Korrektheit von Udos Partieformular fälligen Zeitstrafe von zwei Minuten entging er lediglich dadurch, dass Udo in einem Endspiel mit einem Mehrbauern Remis anbot, was sofort angenommen wurde.



Der Grund für Udos Remisangebot war die mittlerweile beendete Partie von Knut Andersen, der an Brett 1 mit den weißen Steinen spielen durfte. Auch wenn ich mich immerzu wiederhole: man kann es nicht anders als eine Knut-Partie bezeichnen. In der ruhigen Eröffnung entwickelte er leichtes Druckspiel, das mit einem entsprechenden Zeitvorteil einherging. Irgendwann bot ihm sein Gegner, der immerhin eine Elo von 2160 aufwies, Remis an, das er nach vorbildlicher Rücksprache mit mir ablehnte – zwar war es bereits abzusehen, dass es 3:0 für uns plus die schlechtestenfalls remise Partie von Udo stehen würde, aber die anderen Bretter gaben keinen gesteigerten Anlass zu Optimismus. So fasste er den mannschaftsdienlichen Entschluss, nach seinen eigenen Worten "ohne Risiko und Gewaltmaßnahmen" auf Gewinn weiterzuspielen, zumal er auch die bessere Zeit hatte. Sein Plan war, den Gegner vor schwierige strategische Entscheidungen zu stellen und so die Möglichkeit zum Fehlgriff einzuräumen.


Als ich allerdings nach längerer Zeit das nächste Mal aufs Brett schaute, war aus der ruhigen Positionspartie eine Stellung mit zahlreichen taktischen Möglichkeiten für beide Seiten geworden, in der Knut quasi auf Grundreihenmatt stand, was in beiderseitiger Zeitnot meine Nerven nicht unwesentlich strapazierte. Dann blickte ich überhaupt nicht mehr durch und nach einigen schnellen Zügen hatte Knut auf einmal eine Figur mehr und gewann auch noch durch ein schönes Rückkehrmotiv mit einem Abzugsschach den gegnerischen Turm, der ihn auf besagter Grundreihe mattsetzen wollte. Überzeugend legte Knut nach der Partie dar, dass er alles vorher berechnet hatte und sich nie in Verlustgefahr befand. Mit diesem ersten Saisonsieg hat er sich nach unglücklichem Beginn auf 50 % gegen eine Gegnerschaft von durchschnittlich 2091 DWZ-Punkten gebracht, was sicherlich einen schönen Erfolg darstellt. Mit diesem Sieg und Udos Unentschieden hatten wir die nötigen 4,5 Punkte zusammen. Da änderte es auch nichts mehr, dass die restlichen drei Partien allesamt auf Verlust standen.



Marcus Delacor hatte als Schwarzer an Brett 4 hatte gegen den Botwinnik-Aufbau mit e4, c4 und d3 zu kämpfen. Das gelang ihm zunächst gut mit seiner gewohnt originellen Eröffnungsbehandlung, in der er ungewöhnliche Manöver fand, um strategisch vorteilhafte Entscheidungen herbeizuführen (z. B. Lf8-e7-g5 zwecks Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers und Erschwerung von f2-f4). Allerdings stellte er dann irgendwann während meines 50-minütigen-Dauer­schlafes die Qualität ein und kämpfte danach ums Remis. Zwar erhielt er zunächst einen nicht von d4 zu vertreibenden Springer, den er aber im weiteren Verlauf doch abtauschen musste. Das Endspiel mit einer glatten Qualität weniger war dann auf Dauer nicht mehr zu halten.



Felix Runge würde sich zweifelsohne glücklich schätzen, hätte er so viele Königsinder auf dem Brett wie Kai Stephan die Caro-Kann-Verteidigung. In vier seiner fünf Partien in dieser Saison stand diese Eröffnung bisher zur Debatte und verlief wie üblich: gegen seinen starken Gegner Frübing, immerhin DWZ 2122, geriet die Partie trotz der Vorstoß-Variante in ausgeglichenes Fahrwasser, bei dem seiner Gegner allerdings immer leichten Druck besaß. Kai Stephan verteidigte sich aber sehr genau und sicher und schließlich entstand eine hochinteressante Stellung: während beide Seiten noch jeweils 2 Bauern auf den a- und b-Linien und g-und h-Linien hatten, war auch die Stellung im Zentrum symmetrisch: Weiß Ke3, Sd3, Be4, d4; Schwarz Ke5, Ld6, Be5,d5. Trotz der scheinbaren Unkompliziertheit der Stellung war diese aber für Schwarz nicht einfach zu spielen, denn es musste immer mit Springergabeln und dem Gewinn eines Damenflügelbauerns gerechnet werden, während gleichzeitig der Übergang in ein verlorenes Bauernendspiel vermieden werden musste. Schließlich eroberte sein Gegner doch einen Bauern und verwertete diesen anschließend sicher. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie gehaltvoll scheinbar einfache Stellungen noch sein können.



Georg Häusler spielte analog zu Knut mit Weiß eine sehr ruhige Eröffnung, in der sein Gegner sich mit dem Fianchetto des schwarzfeldrigen Läufers aufbaute. Die Partie verlief lange Zeit sehr ausgeglichen, wobei sein Gegner allerdings stetig Druck aufbaute. Den konnte Georg zwar durch zahlreiche Abtauschmaßnahmen verringern, gelangte aber schließlich in ein schwieriges Turmendspiel mit einem Minusbauern, bei dem zusätzlich sein König zunächst auf der Grundreihe abgeschnitten war. Zwar verteidigte er sich dann erfindungsreich und zäh, konnte aber letztlich den Partieverlust nicht mehr abwenden. Trotz dieser Niederlage hat er damit gegen einen Gegnerschnitt von 1989 50 %, womit er sicherlich trotz dieser etwas unglücklichen Niederlage zufrieden sein kann.



Mit diesem Sieg haben wir auch unseren zweiten "Pflichtsieg" unter Dach und Fach gebracht und können nächste Runde gegen die SG Charlottenburg mit einem dritten Sieg in Folge den Klassenerhalt schon fast perfekt machen. Jedenfalls wird es ein knapper Kampf zweier fast ausgeglichener Mannschaften werden.



Autor: mm -- 10.8.2008 16:00:16


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